Zaev will jetzt Debatte um Legalisierung lostreten

 Wie Mazedonien-news.mk berichtet, geht Premierminister Zoran Zaev und seine Partei SDSM in die Offensive - was die "Freigabe von Gras" betrifft. Man will jetzt die Debatte lostreten.

In dem Artikel "Cannabis Legalisierung in Mazedonien: Zaev und SDSM gehen in Offensive" zitiert das Portal (auf Deutsch) einige Aussagen von Politiker der regierenden SDSM. Darunter eben der Premier, als auch der Sprecher der Partei zugleich auch Abgeordnete Kostadinovski.

Interessant sind Zaevs Aussagen die zitiert werden. In der Schlagzeile sagt er, jeder kann in Mazedonien 2-3 Graspflanzen haben, bzw dies suggeriert der Titel des Artikels in DW na Makedonski (siehe folgendes Bild). Aber im Text heißt es:

Ich persönlich denke, dass 0,5 Gramm für den persönlichen Gebrauch nicht verfolgt werden sollten

Herr Premierminister, wenn ich drei Bäume daheim habe, ist 0,5 Gramm das was üblicherweise im Fingernagel hängen bleibt!😂

Wobei, im Artikel des mazedonischen Portals, fehlt ein Absatz (warum, weshalb, kA) aus dem Artikel von DW auf Mazedonisch (Link: Заев: Може по две-три стебла марихуана за лична употреба), der lautet wie folgt:

Nach dem Vorbild des Amsterdamer Systems soll Cannabis für die Entwicklung touristischer Orte legalisiert werden, wo es Cafés mit besonderen Bedingungen für den Konsum von Marihuana geben wird. In allen Ländern, sagt Zaev, wo es legalisiert ist, ist der Konsum von Kokain, Heroin und harten Drogen um 30 bis 50 Prozent gesunken. Daher sollte eine vollständige Legalisierung in Betracht gezogen werden. "Dies wird nicht nur für die Reichen ein Privileg sein, zu investieren. Ziel ist es, jedem Bürger die Möglichkeit zu geben bis zu zwei oder drei Pflanzen unter der Kontrolle der gesetzlich vorgesehenen Agentur für ihre eigenen Bedürfnisse anzubauen, oder diese an ein Unternehmen zu delegieren, die es für ihn kultivieren, erklärte der Premierminister.


Jetzt wird es interessant, nachdem wir den Absatz gelesen haben.

Was lesen wir aus den zwei Aussagen:

  1. Zaev sagt, 2-3 Pflanzen kann jeder Mazedonier anbauen, oder von einem Unternehmen für sich als Konsument anbauen lassen
  2. Zaev sagt, er persönlich denkt, dass 0,5 Gramm Gras für Eigenbedarf nicht mehr verfolgt werden sollte

Peter Lustig, (möge er in Frieden ruhen) würde sagen, Klingt komisch, ist aber so! Ja genau, klingt mehr als komisch!

Zwei, Drei Pflanzen bringen deutlich mehr an Ertrag als 0,5 Gramm (auch wenn ich diesen von Zaev genannten Wert noch für symbolisch halte, da 'ein halbes Gramm' das erste erwähnenswerte im politischen Kontext nach 0,0 ist).

Übersetzt heißt das im Moment, Du kannst dann zwar zwei bis drei Pflanzen hochziehen (jetzt fehlt noch die Angabe bzw Bestimmung, ob das dann pro Haushalt oder pro Kopf gehandhabt wird), darfst aber nicht mehr als ein halbes Gramm (bzw dann den tatsächlichen Wert der noch vom Parlament als geringe Menge definiert und beschlossen wird) besitzen.

Und der Überschuss?

Ja genau der geht dann an ein Unternehmen, oder, er bleibt beim Unternehmen wenn dieser die Pflanzen für den Nutzer hochgezogen hat.

Vorhin schrieb ich, jetzt wird es interessant. Aber jetzt wird es ziemlich Ungeheuerlich: Das hieße ja, jeder Cannabis Konsument in Mazedonien der beschließt, Cannabis selbst anzubauen wird mehr oder weniger (ungewollt) zum Investor.

Lesen wir uns die spezielle Aussage noch mal durch:

Ziel ist es, jedem Bürger die Möglichkeit zu geben bis zu zwei oder drei Pflanzen unter der Kontrolle der gesetzlich vorgesehenen Agentur für ihre eigenen Bedürfnisse anzubauen

Und Ihr seht es schon unterstrichen. 

Wenn sich der Cannabis Konsument nicht dazu entschließt, ungewollter Teilhaber einer Firma zu werden, die seine drei Pflanzen anbaut und erntet, sondern daheim anzubauen, wird er unter Kontrolle stehen. Unter der "gesetzlich vorgesehenen Agentur" (was bedeutet, diese ist Momentan nur vorgesehen ist, das Gesetz ist in Ausarbeitung, und wenn das Gesetz beschlossen wird, gibt es dann eine neue Agentur die den Anbau überwachen wird).

Auch wenn sich momentan viele über die geplante Legalisierung freuen, der Teufel steckt hier wohl im Detail versteckt (oder in der politischen Redekunst).

Ob dann der Homegrower irgendwelche Lizenzen benötigt (gegen Geld für den Staat versteht sich), wird in den Ankündigungen natürlich nicht gesprochen - um den Hype nicht zu brechen. Ebenso, wie dann die Kontrolle dieser staatlichen Agentur aussehen wird. Freipass für Kontrollen (was man allgemein noch als Hausdurchsuchung kennt, wozu man richterliche Beschlüsse benötigt!)?

Und, baut das Unternehmen die drei Pflanzen für den Konsumenten der dann davon ein halbes Gramm besitzen darf, umsonst an? Wie sieht das rechtlich aus? Meine Pflanzen stehen bei Firma X, gehören aber mir, was wenn Firma X irgendwelchen Käse baut? Hafte ich dann für etwas dort wenn was illegales konstatiert wird?

Tja, Fragen über Fragen...

Den erwähnten Artikel bin ich Euch noch schuldig: Cannabis Legalisierung in Mazedonien: Zaev und SDSM gehen in Offensive. Lest rein.

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